Wie trifft eine Pensionskasse ihre Entscheide? Wer sorgt dafür, dass die Interessen der Versicherten stets im Zentrum stehen? Bei Abendrot übernimmt diese Verantwortung der Stiftungsrat – ein Gremium aus engagierten Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden angeschlossener Betriebe.
In unserer Interviewserie geben wir einen Einblick in die Arbeit und Perspektiven der Mitglieder des Stiftungsrats. Diesmal stellen wir Michael Wydler vor, Sozialpädagoge und Mitglied des Anlageausschusses Wertschriften, der sich bei Abendrot für nachhaltige Geldanlagen engagiert.
Lieber Michael, was hat dich dazu motiviert, im Stiftungsrat und zusätzlich im Anlageausschuss Verantwortung zu übernehmen?
Meine Neugierde hat mich dazu motiviert. Durch meine Arbeit in der Personalvorsorgekommission hatte ich bereits einen Einblick in die zweite Säule der Altersvorsorge. Doch wie genau eine Stiftung funktioniert und welche Aufgaben im Stiftungsrat anfallen, war mir nicht ganz klar. Abendrot hat auf mich einen spannenden Eindruck gemacht, weshalb ich mich spontan dazu entschieden habe, mich zu bewerben.
Als ich später vom Anlageausschuss Wertschriften erfuhr, war mein Interesse sofort geweckt. Seit der Finanzkrise 2008 fasziniert mich die Frage, wie Geld angelegt wird und welche langfristigen Konsequenzen daraus entstehen. Im Anlageausschuss Wertschriften kann ich nun aktiv mitgestalten und Verantwortung für nachhaltige Geldanlagen übernehmen.
Wie bringst du deine persönlichen Werte in die Arbeit der Stiftung ein?
Ich bin der Meinung, dass jede einzelne Person etwas zur Nachhaltigkeit beitragen kann – und für ein besseres Miteinander. Gesellschaftliche Herausforderungen erfordern aber auch kollektive Lösungen, und Finanzinstitute wie Abendrot haben hier eine grosse Verantwortung. Sie können Kapital gezielt in Projekte und Unternehmen lenken, die ökologische und soziale Wirkung entfalten.
Welche Weichen muss der Stiftungsrat stellen, damit Abendrot auch in Zukunft als Vorreiterin für Nachhaltigkeit wahrgenommen wird?
Die Weichen für eine nachhaltige Ausrichtung sind meines Erachtens schon seit 40 Jahren gestellt. Ich sehe die Arbeit im Stiftungsrat als Staffellauf und nicht als Sprint: Der Weg ist vorgegeben und bleibt über das eigene Engagement hinaus derselbe.
Unsere Versicherten vertrauen darauf, dass wir unsere Versprechen auch in Zukunft einlösen. Es ist daher wichtig, dass wir unseren Werten langfristig treu bleiben und uns nicht von kurzfristigen Renditeüberlegungen ablenken lassen.
Was sind aus deiner Sicht aktuell die grössten Spannungsfelder zwischen Sicherheit, Rendite und Wirkung im Anlagegeschäft?
Ganz ohne Risiko wird es schwierig, marktgerechte Renditen zu erzielen, insbesondere wenn gleichzeitig ökologische und soziale Wirkungen berücksichtigt werden sollen. Die Herausforderung im Stiftungsrat besteht darin, abzuwägen, welche Risiken wir eingehen wollen. Diese Entscheidung hängt oft von der persönlichen Risikobereitschaft ab, und die ist bei den Mitgliedern des Gremiums sehr unterschiedlich.
Doch die Verantwortung trägt der Stiftungsrat als Ganzes, und es ist wichtig, dass jedes Mitglied hinter der getroffenen Anlageentscheidung stehen kann. Was wir jedoch meiner Meinung nach eindrücklich zeigen konnten, ist, dass Wirkung und marktgerechte Rendite bei vertretbarem Risiko keine Utopie sind.
Gab es eine besonders herausfordernde Anlageentscheidung seit deinem Amtsantritt? Was hast du daraus gelernt?
Eine besonders anspruchsvolle Entscheidung betraf Investitionen in Fonds, die Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity) enthalten. Als jemand, der aus der Sozialen Arbeit kommt, war es anfangs schwierig, die relevanten Details in den Quartalsberichten zu erkennen.
Diese Investitionen erfordern eine lange Perspektive, eine sorgfältige Risikoprüfung und Vertrauen in die Partnerunternehmen. Ich habe dabei gelernt, dass Abendrot nur mit Partnern zusammenarbeitet, die eine nachhaltige Vision teilen und die gleichen Werte vertreten.
Ich würde es eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung nennen, bei der vor allem die Fachstelle Wertschriften die Investments unterstützend, aber auch überwachend begleitet.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit im Stiftungsrat? Was macht das Gremium besonders?
Die Zusammenarbeit im Stiftungsrat erlebe ich als sehr konstruktiv und wohlwollend. Unterschiedliche Meinungen werden akzeptiert, und das Interesse am jeweiligen Gedankengang steht im Vordergrund. Das zeichnet unser Gremium meiner Meinung nach besonders aus.
Wie hat dich die Arbeit im Stiftungsrat und im Anlageausschuss geprägt?
Die Arbeit im Stiftungsrat und Anlageausschuss hat mich sowohl fachlich wie auch persönlich geprägt. Ich habe ein viel besseres Verständnis für die strategische Führung einer Organisation entwickelt, was sich stark von meiner Arbeit in der Kinder- und Jugendarbeit unterscheidet.
Meine Sichtweise hat sich auch dahingehend erweitert, dass ich heute ein besseres Verständnis für ökonomische Perspektiven habe und dieses in meine Entscheidungen einfliessen lasse.
Was wünschst du dir für Abendrot in den kommenden fünf Jahren?
Ich wünsche mir vor allem langfristige Stabilität, eine gute Rendite und eine attraktive Verzinsung für unsere Versicherten. Gleichzeitig hoffe ich, dass Abendrot weiterhin zeigen kann, dass nachhaltige Anlagen und solide Renditen gut miteinander vereinbar sind.
Es ist mir wichtig, dass Abendrot auch in Zukunft eine stabile und verlässliche Pensionskasse bleibt und den vielfältigen Herausforderungen der beruflichen Vorsorge gut begegnen kann.