Ein Felsbrocken, ein Stück Basler Fassade, ein Porzellanrohling, zwei Pflastersteine und ein Zauberwürfel: Mit einer Kiste voller Symbole haben die Projektbeteiligten am 26. Oktober 2026 den Baustart im Webergut in Zollikofen gefeiert. Nach über sechs Jahren Planung wird das ehemalige Bundesverwaltungsgericht nun zum «Urbanen Dorf» umgebaut. Gleichzeitig entsteht nebenan ein neuer Wohnbau.
Bewölkter Himmel, trockenes Wetter, rund 50 Gäste: Am Montagnachmittag trafen sich vor dem Webergut die Menschen, die das Projekt geplant und ermöglicht haben, und jene, die es künftig mit Leben füllen werden. Mit dabei waren eine Delegation der Stiftung Abendrot, Vertreterinnen und Vertreter der Genossenschaft Urbane Dörfer, Planende, Ausführende, künftige Nachbarinnen und Nachbarn sowie der Gemeindepräsident von Zollikofen.
Tilman Körner, Projektleiter bei Abendrot, brachte die Bedeutung des Moments auf den Punkt: Nach mehr als sechs Jahren Planung wird endlich gebaut! Am Übergang vom Industriegebiet zu Feldern und Natur wird aus dem ehemaligen Verwaltungsgebäude ein neues Wohnquartier. Trotz anspruchsvoller baulicher Ausgangslage ist es gelungen, den Bestand zu erhalten und für eine neue Nutzung weiterzuentwickeln.
Anstelle eines klassischen Spatenstichs wurde ein Fundament gelegt: jenes der Brücke, die künftig den Garten mit dem Haus verbindet. Darin ruht nun eine Kiste, zu der alle Beteiligten etwas beigesteuert haben.
Objekte mit Geschichte
Jeder Gegenstand in der Kiste erzählt eine Geschichte – vom Projekt und von den Menschen, die es prägen.
Abendrot steuerte drei Steine aus anderen Liegenschaften in ihrem Immobilienbestand bei: Tilman Körner brachte einen Felsbrocken aus der Flumserei in Flums mit, die ebenfalls nach langer Planungszeit in die Bauphase gestartet ist. Enza Bögli, Geschäftsführerin von Abendrot, legte ein Stück Fassade einer Basler Liegenschaft dazu. Abendrot hatte das Gebäude 1994 in besetztem Zustand gekauft. Aus den damaligen Besetzerinnen und Besetzern wurden anschliessend langjährige Mieterinnen und Mieter. Christoph Stäger, Leiter Immobilien bei Abendrot, steuerte einen weissen Porzellanrohling aus Laufen bei – unscheinbar wie das Webergut, als Abendrot den leerstehenden Bürobau 2019 kaufte. «Ein Rohling ist aber nicht nur unfertig, sondern auch voller Möglichkeiten», sagte er. Und warum ausgerechnet Laufen? «Damit das Projekt jetzt endgültig ins Laufen kommt.»
Die Genossenschaft Urbane Dörfer legte zwei Pflastersteine in die Kiste: einen schlichten als Symbol für das funktionale Gebäude, mit dem alles begann, und einen bunt bemalten, versehen mit Wünschen für die Zukunft. Architekt Michael Norbjer ergänzte die Sammlung mit einem Zauberwürfel: Sein buntes, durcheinandergewürfeltes Innenleben steckt in einer von der Architektur GmbH gestalteten Hülle.
Dass all diese Objekte im Fundament einer Brücke ruhen, ist kein Zufall. Das Webergut lebe von Brückenschlägen, sagte Stäger – zwischen Alt und Neu, zwischen Rendite und bezahlbarem Wohnen sowie zwischen Zollikofen und seinen neuen Nachbarinnen und Nachbarn. Enza Bögli gab der künftigen Hausgemeinschaft einen Wunsch mit auf den Weg: «Die Stiftung Abendrot wünscht allen zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern des Weberguts eine starke Gemeinschaft, die wächst und zusammenhält.»
Anschliessend senkten die Projektbeteiligten die Kiste in das vorbereitete Fundament und bedeckten sie gemeinsam mit der ersten Erde. Nach dem Fototermin wechselte die Gesellschaft ins ehemalige Postgebäude, wo der Nachmittag bei Fingerfood, Getränken und angeregten Gesprächen ausklang.