Mit Ruedi Bachmann verliert Abendrot einen Wegbegleiter der ersten Stunde, der unsere Entwicklung über viele Jahre mitgeprägt hat. Als Architekt, engagierter Quartiermensch und überzeugter Genossenschafter brachte er nicht nur sein Fachwissen, sondern auch sein aussergewöhnliches Netzwerk, seine Beharrlichkeit und seine soziale Haltung in den Aufbau unserer Pensionskasse ein.
Auch nach seinem aktiven Engagement blieb Ruedi Abendrot eng verbunden. Sein Interesse an der Entwicklung unserer Stiftung und seine Freude an nachhaltigen Projekten begleiteten ihn bis zuletzt. Ruedi Bachmann verstarb am 5. Juli 2026 im 86. Altersjahr in Basel.
Hans-Ulrich Stauffer, Mitgründer und langjähriger Ko-Geschäftsführer von Abendrot, erinnert sich an einen Menschen, der die ersten Jahre der Stiftung entscheidend mitgeprägt hat:
In den ersten Jahren nach der Gründung der Pensionskasse Abendrot wurden die Sparbeiträge der Versicherten sehr konservativ angelegt. Anlagen in Aktien fanden kaum statt, das meiste Geld wurde in Obligationen und Immobilien angelegt. Das hatte seine Gründe: Wir wollten das anvertraute Geld nicht den Schwankungen der Aktienbörsen aussetzen und zudem hatten wir in der Gründercrew von Abendrot – einem kleinen, aber hoch motivierten Kreis von gerade mal 20 Personen – Architekten und Baufachleute. Einer davon war Ruedi Bachmann, der mit seinem genossenschaftlich organisierten Architekturbüro archico schon im Vorfeld der Abendrot-Gründung tatkräftig die Idee einer von den Versicherten selbst kontrollierten Pensionskasse vertreten hatte. So trafen sich die ersten Interessenten im Zweiwochenrhythmus im Beizli an der Bärenfelserstrasse 36 im unteren Kleinbasel. Die „Bä36“ war Ruedis erste grosse Umnutzung einer ehemaligen Handwerkerliegenschaft, in der im alten Ladenlokal eben ein kleines Café eingerichtet worden war. Hier wurde nun über die Möglichkeit einer eigenen Pensionskasse debattiert, Konzepte diskutiert, Anlagephantasien entwickelt und letztlich das „Go!“ zur Gründung der Stiftung Abendrot beschlossen.
Ein gutes Jahrzehnt lang traf sich fortan der Stiftungsrat wie auch die Anlagekommission im Beizli in der „Bä36“; wobei die Bärenfelserstrasse auf stetes Bemühen von Ruedi inzwischen zu einer der ersten Spielstrasse der Schweiz umgestaltet worden war. Ruedi wusste immer, wann und wo in Basel eine interessante Liegenschaft zum Verkauf stand. So kamen auf seine Vermittlung hin mehrere Liegenschaftskäufe zustande. Am spektakulärsten war der Kauf der Liegenschaft Bärenfelserstrasse 28 – die berühmte „Bä28“ –, deren Abriss dank Ruedi und der Quartierbevölkerung verhindert wurde, und dies am Tag, als die Bagger mit dem Abriss beginnen wollten. Ruedi trommelte Sympathisanten und Geld zusammen, und mit einiger Verhandlungshilfe des Regierungsrats des Kantons Basel-Stadt konnte die Liegenschaft als Anlageobjekt von Abendrot übernommen werden und steht heute noch.
Ruedi hat sich unermüdlich für ein lebenswertes Quartier, für den Erhalt von günstigem Wohnraum und gegen profitgetriebene Spekulation eingesetzt. Unsere Stiftung hat durch sein über zwanzigjähriges Engagement Profil und Ansehen gewonnen, wofür wir ihm dankbar sind.
Dr. Hans-Ulrich Stauffer
Mitgründer und langjähriger Ko-Geschäftsführer der Pensionskasse Abendrot