Wie trifft eine Pensionskasse ihre Entscheide? Wer sorgt dafür, dass die Interessen der Versicherten stets im Zentrum stehen? Bei Abendrot übernimmt diese Verantwortung der Stiftungsrat – ein Gremium aus engagierten Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden angeschlossener Betriebe.
In unserer Interviewserie kommen alle Mitglieder des Stiftungsrats zu Wort. Diesmal: Claudio Miozzari, Stiftungsrat und Präsident des Anlageausschusses Immobilien (AAI). Er engagiert sich im Stiftungsrat unter anderem für die langfristige und verantwortungsvolle Entwicklung des Immobilienportfolios von Abendrot.
Lieber Claudio, gibt es einen zentralen Gedanken, der deine Arbeit als Präsident des Immobilienausschusses prägt?
Mich freut es besonders, wenn es uns gelingt, Gebäude und Areale im Zusammenspiel mit den Nutzenden zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dann bewahren wir nicht nur Bausubstanz – wir bauen auch auf Menschen und Betriebe, die Teil der Geschichte solcher Orte bleiben. Solche Projekte sind ökologisch, sozial und ökonomisch sehr gewinnbringend.
An welchem Projekt zeigt sich für dich exemplarisch, wie Abendrot Wohnraum mit Mehrwert schafft?
Auf dem Lagerplatz in Winterthur ist eine solche Entwicklung sehr gut gelungen. Wir haben Menschen und Gebäude miteinbezogen – und es sind viele neue Räume und eine grosse Wertsteigerung entstanden. Oder im Projekt Hitzkirch, in dem altersgerechte und bezahlbare Wohnungen mit direkter Anbindung an ein bestehendes Pflegeheim entstehen.
Wie verändert der Druck auf den Schweizer Immobilienmarkt eure Anlageentscheide?
Wenn es bei einem Kauf nur um den höchsten Preis geht, ist das für Abendrot eher nicht interessant. Da bieten andere in der Regel mehr. Aber wenn es um den Erhalt von Strukturen mit besonderen Herausforderungen und um eine sorgfältige und langfristige Entwicklung geht, dann kommen wir mit unseren guten Ideen und langem Atem ins Spiel. Oder wenn die Verkäuferschaft neben einem guten Erlös auch soziale und ökologische Anliegen verfolgt.
Gibt es neue Ansätze bei der Objektauswahl, beim Bau oder bei der Arealentwicklung, die du stärker fördern möchtest?
Der Stiftungsrat hat entschieden, dass wir vermehrt mit Holz bauen wollen, weil Holz ein ökologischer Baustoff ist. Für ein passendes Holzbauprojekt sind wir auch bereit, kleine Abstriche bei der Rendite in Kauf zu nehmen.
Zudem sind wir stolz darauf, dass der Kopfbau 118 auf dem Lagerplatz als Referenzprojekt des zirkulären Bauens Schule gemacht hat. Die Bauwirtschaft – und auch wir – können diesbezüglich noch viel lernen.
Wie prägt dein persönlicher Blick auf Wohnen und Lebensqualität deine Arbeit im Ausschuss?
Es ist sehr schön, dass Abendrot vielen Menschen ein für sie passendes Zuhause bieten kann. Das steht bei allen Entwicklungen im Vordergrund: Es geht darum, Orte zu schaffen, an denen man sich wohlfühlt. Diese können ganz unterschiedlich sein.
Mir gefallen die einfachen, wunderbar urbanen Zweizimmerwohnungen im Hochhaus in den Klostermatten in Basel ebenso wie die topmodernen Neubauten in der Siedlung Wilmisberg, wo man sich per Siedlungsapp austauschen und beispielsweise die Siedlungssauna buchen kann.
Was möchtest du mit der Immobilienstrategie von Abendrot in den nächsten Jahren erreichen?
Jedes unserer Projekte soll einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Mit diesem transparent umgesetzten Ansatz sind wir in der Pensionskassenlandschaft seit einiger Zeit führend. Wir möchten auch in Zukunft entsprechende Akzente setzen und entwickeln unser Nachhaltigkeitsmonitoring laufend weiter.
Ich freue mich aber auch einfach darauf, wenn das, was wir lange diskutiert und geplant haben, Realität wird. Beispielsweise in Egnach am Bodensee, wo wir das Gelände und einzelne markante Gebäude einer ehemaligen Mosterei entwickeln. Oder in Flums, wo nun sehr spezielle – und zugleich sehr viele – Wohnungen in die grosse Spinnerei eingebaut werden.
Inwiefern prägt deine Arbeit im Immobilienausschuss deine Perspektiven im Stiftungsrat?
Ich bin dankbar, viel Verantwortung in Sachen Immobilien übernehmen zu dürfen. Dabei ist es mir wichtig, die Grundhaltungen und grossen Entscheide immer wieder auch im Stiftungsrat zu diskutieren.